FSJ in der Wissenschaft
In die Wissenschaft hineinschnuppern und neue Impulse in Projekte einbringen: Bei einem Freiwilligen Sozialen Jahr in der Wissenschaft (FSJW) im UKE profitieren sowohl diejenigen, die das FSJW absolvieren, als auch die beteiligten Bereiche.
Text: Katja Strube, Fotos: Axel Kirchhof
Konzentriert legt Peter von Samson-Himmelstjerna ein Plättchen mit einem Gewebsschnitt in ein Lichtmikroskop. Im Institut für Entwicklungsneurowissenschaften sammelt er im Rahmen eines FSJW Eindrücke in der neurophysiologischen Hightech-Forschung. „Ich möchte auf jeden Fall Medizin studieren und überbrücke gerade die Zeit, in der ich noch die Eignungstests absolvieren muss“, sagt der 19-Jährige. Seit September 2024 ist er Teil der Projektgruppe von Dr. Jastyn Anne Pöpplau, die untersucht, wie Gehirnaktivität entsteht. „Neben der histologisch-praktischen Arbeit nimmt Peter bei uns auch an den Auswertungen unserer Untersuchungen teil“, erläutert sie. Um zu verstehen, was die Projektgruppe eigentlich genau macht, musste sich der Abiturient erst einmal in die neurophysiologische Forschungsliteratur einlesen. Doch ganz ohne wissenschaftliche Vorerfahrung kam er nicht ans UKE: „In der Oberstufe meines Gymnasiums habe ich bereits eine naturwissenschaftliche AG für Interessierte besucht, bei der wir erste molekularbiologische Analysen wie etwa Gel-Elektrophoresen vorgenommen haben.“
Durch sein FSJW im UKE könne er sich Forschungsarbeit nun viel besser und konkreter vorstellen, so Peter von Samson-Himmelstjerna. Dr. Pöpplau, die zum ersten Mal einen FSJW’ler in ihrem Bereich betreut, ist von dem Modell begeistert: „Das FSJW ist eine großartige Möglichkeit, die Begeisterung von jungen Menschen für die Wissenschaft zu fördern.“
Das FSJW gibt es bereits seit 2014 im UKE und wurde ursprünglich vom Sonderforschungsbereich 841 initiiert. Zu Beginn wurde von einem Freiwilligen Wissenschaftlichen Jahr gesprochen, inzwischen heißt es Freiwilliges Soziales Jahr in der Wissenschaft. Das Prodekanat für Forschung koordiniert im UKE die Angebote aus den Bereichen mit den eingehenden Bewerbungen. „Das FSJW als Angebot der frühen Nachwuchsförderung wird von Schulabgänger:innen stark nachgefragt“, sagt Melanie Kintzel aus dem Koordinationsteam. „Für den im September 2024 gestarteten Jahrgang hatten wir rund fünfzig Bewerbungen und es konnten sieben Plätze in sechs Forschungsarbeitsgruppen besetzt werden.“
Schon mehrere Jahre Erfahrung damit, Absolvierende eines FSJW ins Team zu integrieren, hat Priv.-Doz. Dr. Gregor Leicht, Oberarzt in der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. „In unserer Forschung befassen wir uns mit der Frage, ob und wie sich psychische Erkrankungen in einer veränderten Aktivität bestimmter Hirnareale widerspiegeln“, so der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. „Dafür führen wir etwa Hirnstrommessungen und Untersuchungen im MRT durch. Wer bei uns ein FSJW absolviert, nimmt eine wichtige Position in der Abteilung ein, die über alle anstehenden Termine Bescheid weiß, Studienuntersuchungen durchführt und auch an den Auswertungen beteiligt wird. Das hat sich bei uns im Team sehr gut eingespielt und klappt hervorragend. Wir hatten bisher ausschließlich hochmotivierte, clevere und verantwortungsvolle FSJW’ler:innen bei uns.“